Sonntag, 2. November 2014

The broken umbrellas

Alternative Überschriften wären auch „Have you ever seen the rain“, „Why does it always rain on me“ oder “Here comes the rain again”…

Dabei hatten wir uns beim Study Bergen Quiz im “Det akademiske kvarter” noch gar nicht so viel dabei gedacht, als wir uns den Teamnamen “The broken umbrellas” gaben. Zu den Besten gehörten wir zwar nicht, aber die Fragen hatten es teilweise auch echt in sich. Immerhin konnte ich ganz im Sinne von www.schöner-klugscheißen-mit-sören.de mein Team bei einigen Fragen voranbringen, wie etwa „Wer sang den Song „True Colors“ (im Original)?“ (es war Cyndi Lauper) oder „Welche Farbe hat das Fell von Eisbären“ (das ist selbstverständlich durchsichtig). Bei der Disney-Kategorie lagen wir allerdings alle mehr oder weniger daneben. Völlig überraschend bekamen wir aber zum Schluss den Kreativitätspreis für den besten Gruppennamen – es gab Kvikk Lunsj, so eine Schoko-Keks-Angelegenheit wie Kitkat. Ach ja, „free waffles“ gabs auch, weswegen der Raum ziemlich überfüllt war. Vermutlich wollten viele aber auch nur die Waffeln abgreifen. Hier herrscht ja Futterneid, klar. Aber dazu später mehr.



Letzte Woche Sonntag kam schließlich meine Heimleitung zu Besuch, also zumindest die Hälfte. Mein Vater hielt zuhause die Stellung bzw. musste zur Arbeit. Um meine Überlebensfähigkeit auch beeindruckend unter Beweis zu stellen, buk ich am Samstag zuvor einen Kuchen. Und das war nicht irgendein Kuchen, das könnt ihr mir glauben! Es war der original NRK „Banankake med sjokolade og karamell“ – nur ganz anders. Ich folgte der Anleitung meines Mitbewohners Esben, sodass ich auf den ganzen Schnickschnack verzichtete (Vanillepulver, Rårørsukker etc.) und statt Schokolade auf den bewährten „Brun Ost“ setzte, den norwegischen braunen Käse, der etwas nach Karamell und Toffee schmeckt. Dazu holte ich mir mit Nikola (deren Küche sogar noch schlimmer aussieht als meine) etwas Expertise in meine Küche. Irgendwie kam sie aber auch schnell dahinter, dass „backen mit Sören“ bedeutet, dass ich die schönen und einfachen Aufgaben mache, mich aber bei brenzligen Situationen (oder solchen, die Geschick oder Ausdauer erfordern) lieber im Hintergrund halte. Von dort aus kann man schließlich auch ganz hervorragend kluge Kommentare abgeben. ;-) Doch das Ergebnis überzeugte uns und die Anderen bei einer kleinen International-Food-Party, wo sogar die erst skeptisch blickenden Norweger überzeugt schienen.


 Anm. d. Red.: Er schmeckt wesentlich besser, als er aussieht.


Geschmeckt hats wohl auch dem Dieb, der in der Nacht mit einem Löffel gut ein Viertel des Kuchens weggespachtelt hat. Mundraub nenne ich das!!! Dabei war die Küche eigentlich abgeschlossen…
In der letzten Woche hatte ich dann vor, meiner Mutter mein norwegisches Exil von seiner besten Seite zu präsentieren. Das Wetter machte uns allerdings einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Bei starkem Regen und viel Wind (macht waagerechten Regen) bleibt niemand trocken (außer ich mit meiner geschätzten Regenhose!). Aber es gibt hier auch sehr nette Cafes. Etwa so ein Buchcafé mit leckeren Scones und Kuchen, oder aber auch Barbarista – eine Empfehlung von Ida. Diese Waffeln da…leggär! Ein bisschen abbeldwatsch gediegen siehts da aber schon aus:



Aber auch sonst war die Woche ein kulinarisches Highlight für mich. Ganz vorne ist natürlich das Frühstücksbuffet im Hotel, welchem ich zweimal als Gast bewohnte. Neben dem üblichen Standardaufschnitt und Müsli, gab es auch Lachs, Krabbensalate und man konnte sogar seine eigenen Waffeln machen. Großartig!
Ungewohnt war aber das gemeinsame Kochen in meiner Küche. Wir wissen ja bereits: „Auf einem Schiff das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – und das bin ich“. Im Nu fühlte ich mich aber wieder wie der kleine Söniboy, der das Zepter eben nicht mehr in der Hand hat. Andererseits habe ich auch lange nicht mehr so schön gegessen.
Schön war auch das Flötenkonzert in der Griegakademie, zu dem mich Ida eingeladen hatte. Da gerade irgendwie die allgemeine Elternbesuchszeit ist, trafen wir auch gleich wieder auf Babsi from the first floor und ihre Mutter, die sich diesen kammermusikalischen Abend auch nicht entgehen lassen wollten. Ich klaue an dieser Stelle mal das Foto aus ihrem Blog:


Immerhin bekamen wir durch das Regenwetter so manches Geschäft oder Einkaufszentrum einmal von innen zu sehen. Mein Favorit ist ja das Julehuset ("Weihnachtsaus") mit Unmengen an Weihnachtsdekozeugs. Die Wettervorhersage versprach zwar etwas Sonne für Mittwoch, aber oben auf dem Fløyen sahen wir dennoch eine Regenfront nach der nächsten auf uns zu kommen. 




Am Freitag bin ich dann abends zum International Day ins Student Center gegangen. Es fand ein studentischer Kochwettbewerb statt und der Pöbel (also wir armen, hungrigen Studenten) durfte zum Probieren kommen. Wir hatten zwar Alrek etwas spät verlassen, aber dass das solch verheerende Folgen haben würde, hätte ich nicht gedacht. Zuerst gabs keine Teller und dann kein Essen mehr für uns. Nicht, dass ich da jetzt verpflegungstechnisch drauf gebaut hätte, aber ein bisschen was wäre schon nett gewesen. Es war stattdessen schlimmer als in jedem AI-Hotel. Während wir ganz am Ende der Schlange warteten, kamen vereinzelt Studenten mit ein bis zwei, sich fast schon biegenden, Papptellern aus dem Gemenge. Viele aßen aber schon gleich vor den Ständen, um sofort wieder nachfüllen zu können. Um es mit den Worten meines geschätzten Dr. Wolfs aus dem Seminar „Vom Kriege“ zu sagen: Es war ein Gemetzel!
Wir sind dann unter dem Absingen des beliebten Werkes „What shall we do with the drunken sailor“ noch auf ein „Hansa-Brausebier“ ins Kvarteret gegangen. Ich glaube, das verträgt man sogar auf nüchternem Magen…aber den norwegischen Produkten und Eigenheiten widme ich mich noch an anderer Stelle.

Mich beschäftigt gerade eher die für nächsten Freitag angesetzte „Hallwayparty“ aka „Gangfest“. Versprochen wird ein rauschendes Fest, das man niemals vergessen oder aber auch erinnern wird. Ich hab ja nichts gegen Fröhlichkeit, aber doch bitte nicht ausgerechnet bei MIR im vierten Stock! Hallo?! Unsere Toilette fand ich letztens schon aus beeindruckend großer Distanz (weswegen auch der Boden davor kontaminiert war) wieder vollgekotzt am Morgen vor. Und da hörte nur jeder im Haus, dass „irgendwo 'ne Party“ war. Das hat bis abends gedauert, bis sich dann meine Mitbewohnerin Tuba erbarmt hat, das sauber zu machen, weil wir irgendwann ja auch wieder unsere eigene Toilette nutzen wollten. Der Absender war natürlich unbekannt (auch wenn die Indizien für den Nachbarflur sprechen). Wie soll das denn erst kommenden Freitag werden? Womöglich plündern irgendwelche Schnapsleichen noch unseren Kühlschrank!

Ach und dann steht am 11. Und 12. November auch noch meine Norwegischprüfung an. Mündlich und schriftlich… Also isch möschte das nischt!

So, der Lachs ist aufgetaut! Ich regiere dann mal in der Küche weiter…

Tschüß!

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