Nun ist „durchaus“ ja nicht so eindeutig wie ein „ja“, aber
die Dinge funktionieren hier in Norwegen etwas anders. Das wurde schon bei
meiner Kurswahl deutlich. Während ich an in Bremen die Tage eher in der Uni
verbringe als zu Hause, ist es hier andersherum. So besuche ich sonst immer
zahlreiche Veranstaltungen, die im Schnitt 3CP bis 6CP einbringen, um auf meine
30 Credit Points pro Semester zu kommen. Hier an der UiB (klingt doll, ne?!)
bekommt man seine 30CPs allerdings viel leichter voll. So bekomme ich für meine
wöchentliche Vorlesung „Scandinavian Government and Politics“ sagenhafte 15CP –
das Seminar dazu findet alle vierzehn Tage statt und ist nicht verpflichtend.
Eine Anwesenheitspflicht gibt es nur für den Sprachkurs, der nochmal 10CP aufs Credit-Point-Konto bringt. Der fand bis Ende September drei Mal die Woche statt, ab sofort muss ich nur noch zwei Mal die Woche hin. Dabei macht gerade dieser viel Spaß, weil unsere Lehrerin Lillian sehr bemüht und engagiert ist, uns Norwegisch beizubringen. Dafür klettert sie auf Tische und überrascht regelmäßig mit neuen Darbietungen aus dem Bereich „darstellendes Spiel“, um nicht alles auf Englisch erklären zu müssen. Weltklasse sind daher auch ihre Gewitter-Imitation und die Darbietung von Halsschmerzen, die sie erst kürzlich zum Besten gab.
Eine Anwesenheitspflicht gibt es nur für den Sprachkurs, der nochmal 10CP aufs Credit-Point-Konto bringt. Der fand bis Ende September drei Mal die Woche statt, ab sofort muss ich nur noch zwei Mal die Woche hin. Dabei macht gerade dieser viel Spaß, weil unsere Lehrerin Lillian sehr bemüht und engagiert ist, uns Norwegisch beizubringen. Dafür klettert sie auf Tische und überrascht regelmäßig mit neuen Darbietungen aus dem Bereich „darstellendes Spiel“, um nicht alles auf Englisch erklären zu müssen. Weltklasse sind daher auch ihre Gewitter-Imitation und die Darbietung von Halsschmerzen, die sie erst kürzlich zum Besten gab.
Meine Vorlesung kann mich dabei nur so mäßig begeistern. Zum
einen müss(t)en wir wöchentlich eine ganze Menge Texte zur Vorbereitung lesen.
Selten finde ich diese Texte aber ansprechend und interessant geschrieben,
zumal sich manches wiederholt und einige Autoren den durchschnittlich
engagierten Studenten mit einer Beschreibung von Statistiken K.O. setzen.
Anders als zuhause kann ich mir das Lesen aber nicht komplett schenken, weil
ich ja in meiner Hausarbeit aka „Take-Home-Exam“ auf 3000 bis 4000 Wörtern
schlecht meinen Professor aus der Vorlesung zitieren kann. Also geht schon, aber dann ist es halt scheiße... Ab und zu trifft man aber auch alte Bekannte, etwa die Lipsets und Rokkans Cleavage-Theorie. Auf Stein Rokkan wird man hier sowieso häufig hingewiesen, denn er baute das Institut der Vergleichenden Politikwissenschaft hier auf.
Richtig ungewohnt, und es macht mich immer noch leicht unruhig,
ist das fehlende Klopfen am Ende der Vorlesung. Während wir in Deutschland am
Ende stets als Zeichen der Wertschätzung (oder aus reiner Gewohnheit) auf den Tisch klopfen, scheint man das
in anderen Ländern nicht zu machen. Dabei finde ich es eine sehr nette Geste
und es kann manchmal auch richtig praktisch sein. Schier unendlich lange
Schlussworte von Dozenten lassen sich so effektiv wegklopfen und es ist
großartig, wenn man damit beginnt, und das ganze Seminar plötzlich hastig
mitklopft…
Und auch sonst sind einige Dinge hier ein wenig anders als
in Bremen. Zum Beispiel ist es hier weder ranzig, noch sind die Wände auf den
Toiletten bis auf den letzten Quadratzentimeter mit Unterhaltungen,
Beleidigungen oder anderem sinnfreien Geschmiere versehen. Dank unseres
Hightech-Studentenausweises kommt aber auch nicht jeder rein. Den muss man
nämlich oftmals vorher gegen ein Lesegerät halten, um die Tür zu den Toiletten
zu entsperren. Kürzlich fand zudem eine „Study Week“ im Norskkurs statt.
Das bedeutet, dass der Kurs nicht stattfindet und jeder für sich allein in
seinem Kämmerlein bei Kerzenlicht studieren und bisher Gelerntes wiederholen
soll.
Das altehrwürdig anmutende Gebäude auf dem Foto ist übrigens der Ort, wo mein Sprachkurs stattfindet. Auf dem Weg dahin kommt man am Universitätsmuseum und dem Gemüsegarten und Gewächshaus der Uni vorbei. Die Gebäude der unterschiedlichen Fakultäten liegen alle recht dicht beieinander. Anders als die Uni Bremen, ist die UiB aber keine Campus-Universität. Noch eine Zahl zum Schluss (denn Zahlen schaffen Vertrauen): Es gibt hier an der UiB 14452 Studierende.




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