Bitte seht mir diese grammatikalisch aufregende Konstruktion
nach, aber es passte nun mal so schön (der geneigte Leser meiner Generation
erkennt hier nämlich die Parallele zu Paul Maars „Eine Woche voller Samstage“).
Es waren eher Sonnentage und eigentlich war es zu schön um wahr zu sein. So
betrachtete ich den Wetterbericht Anfang der Woche mehr als kritisch, als er von Montag bis
Freitag Sonnenschein prophezeite. Denn Sonnenschein ist hier ja im Herbst nicht
die Norm – schon gar nicht für eine Woche. Letztlich hatten wir aber richtig schöne
Herbsttage.
Allerdings bedeutet das nicht, dass man auf festes Schuhwerk
bei Spaziergängen in der näheren Umgebung verzichten sollte. So verließen wir
diese Woche spontan die befestigten Wege und landeten im feucht-matschigen
Moos. Die Norweger haben wirklich eine andere Auffassung von einem Wanderweg. Ich hatte derweil nicht nur meine Wanderstiefel an, sondern auch gleichzeitig einen Riesenspaß,
denn die Gesichtsausdrücke von meinen Mit-Bremern waren unbezahlbar. Wie sie
langsam nasse Füße bekamen war zwar sicherlich nicht schön, aber zum ersten Mal
war nicht ich derjenige, der sich über den Pfad beschwert.
Am Mittwoch war ich dann aber wieder derjenige, der aufpassen musste. Ich fuhr morgens zum Flughafen und hatte irgendwie das Gefühl, mich beeilen zu müssen. Dabei musste ich aber höllisch aufpassen, denn es war ziemlich kalt geworden und der Boden war teilweise gefroren und dementsprechend glatt. Mal eben übern Parkplatz rennen ist da nicht drin – sonst fällt man auf das Antlitz. Dafür war die Fahrt raus zum Airport sehr schön, als über dem Wasser der Nordsee leichter Dunst lag und sich die Landschaft und Wolken im glatten Wasser widerspiegelten. Interessant war auch die Mentalität der Mitarbeiter des Hubschrauberunternehmens, vor dessen Zentrale ich den Vormittag über mit meiner Kamera lauerte. Es herrschte ein Kommen und Gehen und viele Mitarbeiter grüßten mich freundlich. Dazu muss man wissen, dass Blickkontakt mit Fremden mit das Schlimmste ist, was man den Norwegern in der Öffentlichkeit antun kann. Im Bus ist jeder bemüht, aus dem Fenster oder aufs Smartphone (die Norweger lieben ihr Smartphone) zu kucken. Und gegrüßt wird eigentlich nur bei Wanderungen in den Bergen. Am Airport war es dagegen eine ganz andere Atmosphäre und einer der Mitarbeiter drückte mir sogar noch Einweggehörschutz in die Hand, was in Anbetracht der furchtbar lauten Hubschrauber nicht schlecht war… Die Bilder vom Tag sind übrigens bereits im anderen Blog zu finden!
Quelle: http://monda.no/ifln/talking-to-strangers/ Mondå by Julien S. Bourrelle
Abends ging es dann noch ins lang erwartete Konzert in der
Grieghalle. Zum Beginn der 250. Spielzeit der Bergenser Philharmonie gab es ein
kostenloses Konzert nur für Studenten. Und was soll ich sagen? Solch
festlich-bourgeoise Veranstaltungen liegen mir, zumal das Konzerthaus von innen
sehr schick ist. Aber auch so ein Orchester macht schon etwas her, wenn der
Dirigent seine Rhythmusgruppe stilvoll auffordert, sich zu erheben und wenig
später im Takt zu Edvard Griegs „Per Gynt“ die Hüften schwingt. Absolutes
Unverständnis hatte ich dagegen für die Spanierinnen in der Reihe vor uns, die
sich während des Konzerts immer wieder unterhielten oder verzweifelt
versuchten, ihr Handy mit dem WLAN zu verbinden. Allein schon!
Am Donnerstag entschieden wir uns spontan für einen
abendlichen Spaziergang zum Fløyen. Ich wollte sowieso immer noch ein Bild von
Bergen im Dunklen machen und da am Dienstag das Nordlicht in Bergen sichtbar
war (wir es aber alle verpasst haben), hatten wir die leichte Hoffnung, dass
sich der Himmel erneut grün färben würde. Daraus wurde leider nix, doch der
abendliche Ausflug war dennoch großartig, auch wenn ich mit meinem kleinen
Stativ zu kämpfen hatte. Aber
egal. Der Ausblick war der Hammer, einfach wunderschön.
Am Samstagabend war ich noch bei einem kleinen Konzert. Es
war kostenlos und so musste man ja förmlich hin. Am Ende war ich aber
sehr begeistert, denn auch wenn die Folk-Band aus Bergen nur für 30 Minuten
spielte, war es doch eine richtig gemütliche Atmosphäre in diesem Plattenladen,
der zugleich eine Bar beherbergte. Irgendwie erinnerte mich
das an die Mumford and Sons Bookshop Sessions. Draußen regnete es derweil in Strömen. Abgesehen von uns vier Austauschstudenten waren aber sonst überwiegend Norweger vor Ort, sodass auch das
Bier zu norwegischen Preisen verkauft wurde – oder wie Espen sagen
würde: „they're earning shitloads of money with us!“
Heute war dagegen der allgemeine Tag der Faulheit.
Glücklicherweise ging es vielen hier ähnlich wir mir. Ida beschloss schließlich, dass
sie sich damit abfinden würde, dass sie an diesem Sonntag nichts mehr geregelt
bekäme und kaufte uns stattdessen zwei Berliner!!! Herrlich. Ich glaube meine Mitbewohner haben mich langsam durchschaut. ;-)
Achso: In die Uni musste ich zwischendurch auch. Diesmal wieder mit dem Professor, der bereits zu Beginn einige Sitzungen abgehalten hatte. Wenn ich ihn auf der Straße treffen würde, hielte ich ihn mit seiner Lederjacke und den stark nach hinten gegelten Haaren aber wahrscheinlich eher für einen Türsteher. War aber dennoch ne gute Vorlesung, schon deshalb, weil er uns Süßigkeiten von seinem Aufenthalt in den USA mitgebracht hat. Er weiß eben auch, womit wir zu ködern sind....
Achso: In die Uni musste ich zwischendurch auch. Diesmal wieder mit dem Professor, der bereits zu Beginn einige Sitzungen abgehalten hatte. Wenn ich ihn auf der Straße treffen würde, hielte ich ihn mit seiner Lederjacke und den stark nach hinten gegelten Haaren aber wahrscheinlich eher für einen Türsteher. War aber dennoch ne gute Vorlesung, schon deshalb, weil er uns Süßigkeiten von seinem Aufenthalt in den USA mitgebracht hat. Er weiß eben auch, womit wir zu ködern sind....










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