Freunde der digitialen Kommunikation,
das Internet ist wieder zurück!
Daher melde ich mich heute wieder zurück aus meiner kleinen
Panikzentrale und es liegt eine schöne Woche hinter mir. Manchmal kann man sich
ja auch sehr über die kleinen Dinge freuen. So kommt langsam der Herbst und das
Laub verfärbt sich. Dabei war es aber sonnig und mild und bei Sonnenschein
sieht es hier nochmal tausendmal besser aus, mit den ganzen bunten Holzhäusern.
Letzten Freitag lag mal wieder so ein Fall von purem jugendlichem
Aktionismus vor, als bekannt war, dass eine starke Sonneneruption die Chancen
aufs Nordlicht in Bergen exorbitant erhöhte. Zusammen mit ein paar Leuten aus
dem zweiten Stock fuhr ich abends zur Endhaltestelle einer der Buslinien, die
vor unserem Wohnheim abfahren. Dort in Åsane sollte es dunkel genug sein, um
das Nordlicht gut erkennen zu können. In der Hoffnung, dass uns ein Norweger
aus dem Wohnheim einen guten Ort zeigen könnte, warteten wir nochmal eine halbe
Stunde, die sich zwei Mädels mit der Ausführung einiger Zumba-Moves vertrieben.
Leider wurden wohlmeinende Ratschläge, die eine Terminierung dieser Tätigkeit
implizierten, ignoriert. Schließlich zog unsere Kompanie (der Norweger brachte
nochmal 15 Leute mit) irgendwann doch noch los. Besonders spannend wurde es,
als wir im Dunklen einen steilen Hang im Wald hochwollten. Zum Glück hatte ich
eine Taschenlampe dabei. Einige weibliche Teilnehmerinnen in Ballerinas (ist
aber auch ne dämliche Idee für Norwegen) verweigerten sich diesem Weg aber
lautstark, sodass ich nur mit ein paar mir bekannten Hausbewohnern
weitergestiefelt bin, denn… (ja, ihr wisst was kommt, ne? Ich hatte natürlich
ja meine Wanderstiefel an! Harrharr!)
Am Ende war es nur eine Abkürzung und wir standen umringt
von hohen Bäumen und ein paar hell beleuchteten Häusern im Nirgendwo. Zu sehen
gab es nix. Auch wenn niemand bisher dort gewesen war, hatte natürlich jeder
seine eigene Vision, wo man am besten auf das Polarlicht warten solle, sodass
die Gruppe schnell verstreut war. Somit war es nicht nur kalt, es fehlten plötzlich
auch die Cracker. Mit Barbara aus Bayern, die ich seit meinem Ikea-Ausflug vom
Anfang kenne, leitete ich dann gegen elf den geordneten Rückzug nach Alrek ein.
Später wurde bekannt, dass das Nordlicht zu sehen war, aber erst wesentlich
später in der Nacht und von durchaus einfacher erreichbaren Orten. Na gut – ich
verbuche es mal unter schöner Nachtwanderung.
Zur Fjordtour gibts hingegen gar nicht so viel zu sagen, es
war aber ein sehr schöner Ausflug. Nur die Rückfahrt, die wie der Hinweg vier
Stunden dauerte, war dann bisweilen etwas zäh. Wir hatten uns aber der
Animation, die der gepflegten Abendunterhaltung eines AI-Hotels durchaus
Konkurrenz macht, entzogen und auf das Quiz im Schiffsinneren verzichtet. Schön war aber, dass man auch so immer wieder Studierende traf, die man aus
Vorlesungen, dem Norskkurs oder dem Wohnheim kennt.
Sonst veranstaltete ich noch eine Kuchenparty mit einem
Schweizer in Fantoft, wozu wir den Apfelkuchen aus dem Norwegisch-Lehrbuch
buken. Wobei das teure Ringbuchheft (bummelig 30 Euro) nicht mal als schlechtes
Backbuch zu gebrauchen ist, sodass alles mehr oder minder improvisiert war. Frei nach dem Motto: Viel hilft viel und von nix kommt nix. Geschmeckt
hat es daher ganz ausgezeichnet.
Unitechnisch war ich hingegen wegen des Wetters nur
mäßig motiviert. Die Essays für Bremen bekamen täglich den Stempel „morgen“
aufgedrückt und mit dem Lesen für die Vorlesung kam ich auch nicht so ganz
hinterher. Es sind manchmal aber auch langweilige und sperrige Texte, die mir
hier vorgesetzt werden. Immerhin gabs am Dienstag zur Abwechslung eine Vorlesung
ohne Powerpoint! So wie ich das aber aus den Augenwinkeln beobachten konnte,
haben es alle Studierenden gut verkraftet. Ich wette, in Bremen hätten sich die
ersten „Experten“ nach fünf bis zehn Minuten beschwert. Aber wahrscheinlich
hätten sich unsere Dozenten dort gar nicht getraut, eine Vorlesung ohne die heiß begehrten Folien zu halten…
Zum Abschluss gibt es noch zwei Bilder vom Fløyen aus. Leider verdeckten Wolken am Horizont den
Sonnenuntergang. Schön ist es dennoch immer da oben. Zudem konnte ich meine
Spanischkenntnisse reaktivieren, denn wir hatten eine Französin aus dem
Norskkurs dabei, die neben gutem Englisch auch hervorragend Spanisch sprach.
Als wir schließlich mit Englisch nicht weiterkamen und ich das französische
Wort auch nach mehrmaliger Nennung nicht verstand, beförderte mein Gehirn das
spanische Wort „cucaracha“ ans Tageslicht und wir waren uns sofort einig, dass
wir beide von Kakerlaken sprachen. Großartig!
Kommen wir noch zu den Auszeichnungen. Held der KW39 ist
mein Vater, der mir heute Morgen in einem halbstündigen Telefonat half, das
BIOS von meinem Notebook wieder so herzustellen, dass es wieder anstandslos
hochfährt und nicht in einem Bluescreen endet. Vor dem Hintergrund, dass ich
andernfalls nicht mehr an meine Daten, etwa auch die Essays, rangekommen wäre,
ereilte mich ein mittelschwerer Herzkasper.
In der Kategorie „Held der Arbeit, Freundschaft und des
Mitdenkens“ räumen die Kiekeberger um Frau Buchheister, Melanie, Kimberley,
Lioba und Wera den Preis für die KW38 ab. An dieser Stelle nochmal meinen
herzlichsten Dank für das Carepaket, ich habe mich wahnsinnig gefreut über diese schöne Überaschung! Die leuchtend gelben Putzhandschuhe kann
ich in zwei Wochen zu meiner „Vaskeuke“ sicherlich bestens gebrauchen. Leider kam das Paket lädiert in einer großen
Plastikummantelung hier an, denn der Zoll hatte wohl seine Finger im Spiel. So
musste nicht nur Woddy Wodka einen anderen Weg gehen, auch der Couscous
rieselte zu den Ecken heraus. Allein schon! Aber auch das kann meine Freude über den geschmackvollen Fischteller nicht trüben. Der stammt Insiderberichten zufolge übrigens vom SPD-Flohmarkt.
Kurz vor knapp möchte ich noch das folgende Themen
anteasern, welches bald hier behandelt wird:
„Alrek, oder: Der Ort, an dem meine Frikadellen verschwanden“
Man darf gespannt sein!
Mit bestem Gruß zum Kiekeberg, nach Deutschland und in die Welt!
Sören (Bergen, ehemals Bremen und GLC)





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