Donnerstag, 11. September 2014

Ein Königreich für die Kultur!

Ja, liebe Leserinnen und Leser, ich weiß auch nicht genau, wie wir zu dieser Überschrift gelangt sind, aber sie drängte sich aus meinem Unterbewusstsein ans Tageslicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein paar Tage lang meinen alternativen Kiekeberger Stoffbeutel mit dem einfallsreichen Aufdruck „Freilichtmuseum am Kiekeberg – Alles andere ist nicht tragbar“ verloren gegangen glaubte. Letztlich fand er sich in einer Jackentasche an. Denn ja, langsam trägt man hier auch Jacken, es wird ein wenig frischer und feuchter und so stand die letzten Tage etwas Kultur auf dem Programm. Da war etwa die Movienight, die vom ESN (Erasmus Student Network) im „Akademiske Kvarter“ organisiert wurde. Der Trailer ließ schon nichts Gutes erahnen, aber ich dachte mir „Sören, da gehste mal hin – is ja norwegische Kultur, das kann man mal mitnehmen“.
Ja, sind wir dann hin und weil das um 20 Uhr los gehen sollte, waren wir pünktlich ne halbe Stunde früher da. Sicher ist sicher und man will ja keine bescheidenen Sitzplätze haben. Technische Probleme führten dann dazu, dass wir dann doch gegen 21 Uhr reingelassen wurden. Leider kann ich nicht ganz beurteilen, ob diese norwegische Comedy-Horror-Produktion das hält, was sie verspricht, weil die Untertitel durch die Köpfe Anderer verdeckt waren. Humorig war es dennoch  ab und an: https://www.youtube.com/watch?v=r9dgeYkYOZAn Ich gebe „vier von zehn“ Punkten.

Immerhin war somit die Messlatte für die Quiznight am folgenden Abend recht tief angelegt. Dabei war die ganz okay. Nur wenn das Bier für Studenten 46 Kronen kosten soll (5,66 Euro --> 11,32 D-Mark --> 22,64 Ostmark…) wirds kritisch. Es liegt daher auch auf der Hand, dass das ølfestival hier am Wochenende, zu dem zahlreiche kleine Brauereien kamen um ihr Bier vorzustellen, in erster Linie den Norwegern Freude bereitete – uns reichte da ein Blick aus der Ferne.


Mit ein paar Bewohnern meiner illustren Winterresidenz nutzte ich schließlich auch die „Student Culture Card“. So haben Studenten einen halben Monat lang freien Eintritt in einigen Museen. Und das ist auch gut so, denn die 50 Kronen fürs "Hanseatiske Museum" lassen sich gut in andere Dinge investieren, da das Museum nicht so pralle war. Dennoch war es interessant zu sehen, wie weitumspannend das Netz der Hanse damals war und wie die Arbeiter in den Kontoren lebten. Spannender war aber das Bryggen-Museum, in dem zur Zeit auch eine sehr gelungene Fotoausstellung gezeigt wird. Thema sind hier die fatalen Folgen von klimatischen Extremen und Veränderungen für die Bevölkerungen (Überschwemmungen, Missernten etc.) – etwa auf den Malediven, in Indien oder Südamerika.


Die aufmerksamen Leser stellen fest, dass bisher noch von keiner Wanderung die Rede war. Das wird auch so bleiben, denn ich habe seit dem letzten Eintrag ausnahmsweise keinen Hals- und Beinbruch riskiert. Dafür schaute ich am Airport bei den „Flyspottern“ vorbei, wie man sie auf Norwegisch nennt. Zu meinem größten Erstaunen waren die zwei Spotter vor Ort sehr kommunikativ und begrüßten mich aufs Herzlichste, um mir anschließend alles über den Airport, den Traffic und die Fotopositionen zu erzählen. Da treten viele Hamburger den Neuen „am Zaun“ deutlich reservierter gegenüber. Somit bestätigte sich zu meiner Freude wieder einmal nicht die Erwartung, hier nur auf verschlossene Norweger zu treffen. Den, der Luftfahrt zugeneigten, Lesern sei hier der Hinweis gegeben, dass womöglich in der nächsten Woche nach mehrmonatiger Durststrecke ein entsprechend bunt bebilderter Beitrag im anderen Blog auftauchen wird...

Hier gibt es jetzt nur einen Eindruck von der Schafweide nebst Airport und ein Stimmungsbild - um niemanden hier zu überfordern ;-)



Oft sind es aber auch die kleinen Abenteuer, die den Tag bestimmen. Während ich mich heute nur über Ei-Rückstände, Zwiebeln und undefinierbares Zeugs in der Spüle ärgerte, entging ich gestern nur knapp einer mittelschweren Katastrophe. So war ich gerade aus der Dusche gestiegen und wollte die langen Haare wegspülen, die nach beherztem Anheben des Duschvorhangs zum Vorschein kamen, als: ja – nichts passierte. Das Wasser wurde Punkt neun abgestellt (und sollte bis eins nicht wiederkehren). Die Frage ist aber nicht, warum ich so spät aufgestanden bin (es ist auch wirklich tragisch, dass der Wecker nach drei Mal „snoozen“ einfach still bleibt), sondern warum ich das nicht mitbekommen habe. Meine norwegischen Mitbewohnerinnen hatten nämlich zuvor eine SMS bekommen.
Da ich somit weder Zähne putzen, noch die Haare in eine öffentlichkeitstaugliche Anordnung bringen konnte und ich dazu auch nichts zu trinken hatte, fuhr ich schließlich ins „Student Center“ um fließendem Wasser zu frönen. Die Toiletten im Wohnheim waren ja schließlich auch nicht nutzbar und ich war mir sicher, dass das meine Pappenheimer nicht von der Toilettennutzung abhalten würde (womit ich auch Recht behalten sollte). Ein kleiner Survival-Tipp am Rande: Es empfiehlt sich fürs Frühstück ordentlich Marmelade oder Brotaufstriche zu verwenden – dann wirkt das Brot weniger trocken… Andere traf es aber wesentlich schlimmer, da sie nach dem Frühsport nicht duschen konnten, oder den Vormittag mit Shampoo im Haar verbrachten.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Dieser Zauber verblasst nun langsam und das Neue ist nicht mehr ganz so neu. Immerhin bin ich mittlerweile seit über fünf Wochen hier und gerade für Süßigkeiten bin ich zu geizig und schnorre mich lieber unauffällig (!!!) durch. Und da meine Stimmung sehr leicht durch Essen beeinflussbar ist – und mein kulinarisches Dasein solide, aber keinerlei Höhenflüge beinhaltet – freute ich mich umso mehr über das Carepaket meiner Heimleitung. Ich sage nur: Schokolade, Giotto und Roche! Und seit Jan Josef Liefers die kleinen güldenen Kugeln bewirbt wissen wir ja alle: Es kommt nicht darauf an, wo man die schönsten Momente erlebt, sondern wie!

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit der Weisheit „Ohne Mampf kein Kampf“, oder wie ich es frei ins Englische übersetzt habe: „No food, no fun!“

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Sören,
ich glaube, so ein Studentenleben eignet sich wunderbar als Romanvorlage. Es erheitert mich ungemein, wenn andere mit Schaum im Haar unterwegs sind:-)! Aber zum Bierpreis wollte ich nur sagen: Es gibt keine D-Mark sowie Ost-Mark mehr! Dieses musste ich mir auch schon öfter von meinen Familienangehörigen sagen lassen!
Also gibt Dir einen Ruck: ein Bier für 5,66 € muss mal drin sein! Des weiteren finde ich die Alternative zum Bergsteigen ungemein beruhigend: Spotten am Flughagen und dann noch kommunikative Menschen! Was will
ein Ladehof mehr?
Beste Grüsse
Pippi

Dedl hat gesagt…

SAS, Widerøe und Norwegian, da hast Du ja fast alles, was Flesland für den Spotter herzugeben scheint. Und wenn dann noch mal 'ne Finnair-, KLM- oder BA-maschine daherkommt, ist das Glück Dir hold.

Dass Du es trotzdem schaffst, so stimmungsvolle Bilder wie das der B-737-600 zu machen, spricht für Deine Begabung als Fotograf. Danke für die Eindrücke.

Dedl

Anonym hat gesagt…

So, ich nutze auch die Gelegenheit, etwas zu schreiben, bevor es zu spät ist - in drei Monaten ist Sören ja schon wieder im Lande!

Also, dein Blog liest sich (wie schon zu Beginn) sehr gut und ich kann mich Pippi (wer auch immer sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt) in Bezug auf den "Romanvorlage"-Punkt nur anschließen. Und falls du dich als schreibfaul einstufen solltest (was sich angesichts der Blogbeiträge nicht glaube), denk dran: je mehr Fotos, desto weniger Text. Überleg es dir.

In diesem Sinne hoffe ich, dass du weiterhin viel Spaß in Bergen hast und dass wir auch in Zukunft (wenn das Semester so richtig losgeht) darüber lesen können!

Viele Grüße
Stefan (Bremen, ehemals Athen)

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