Dabei wäre es gerade viel einfacher hier in Bremen zu bleiben. Spätestens seit dem dritten Semester habe ich ungefähr verstanden, "wie Uni funktioniert" und eigentlich bin ich sehr gerne hier. Aber schon Hermann Hesse wusste Folgendes:
Kaum sind wir heimisch einem LebenskreiseDie große Frage ist natürlich auch, was aus meinem geplanten Hochglanz-Magazin "Campus-Klatsch" werden soll. Immerhin lieferten ja "Champions" wie "Kevin", "Scary Typ", "Iron Maiden", "Tunahan" oder "Jeremy Pascal/Kanisterkopf" (Namen der Redaktion teilweise bekannt) so manche Steilvorlage, wenn sie sich mit ihren teils eloquenten teils abstrusen Fragen, Terminator-mäßgen Auftritten und generell "ganz besonderen" Persönlichkeiten in den Vordergrund spielten. Und dann sind da ja noch diese Dozenten, deren Sprüche und Veranstaltungen teilweise einen noch höheren Nachrichtenwert haben und den Unialltag so ungemein unterhaltsam gestalteten. Aber vielleicht sind die Norweger noch viel abgefahrener drauf - wer weiß?!
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Die letzten Wochen waren jedenfalls stressig und bewirkten in meinem Kopf ein mittelschweres Chaos. Nun habe ich aber eine Untermieterin für meine Wohnung gefunden und dazu die Zusage für einen Praktikumsplatz in der Pressestelle des Hamburger Senats bekommen. Im März/April werde ich also direkt an der Alster arbeiten. Großartig!
Allerdings wird mich noch so manche Ausarbeitung und Hausarbeit nach Bergen verfolgen, aber das ist nicht zu ändern. Klausurvorbereitungen hielten mich doch stärker auf als erwartet und "mal eben nebenbei" war dann noch nicht drin. Das Gute daran, so furchtbar busy zu sein, ist ja, dass ich nicht so viel über das ganze Ausmaß dieses Abenteuers nachdenken kann. Je näher es rückt, desto mehr konkrete Fragen stelle ich mir und werde leicht unruhig.
Andererseits freue ich mich dann wieder "wie ein Schnitzel" auf Bergen und kann es kaum erwarten, mit meinen neuen Wanderstiefeln (großartig!) durch den goldenen Herbst zu stiefeln, englischsprachige Veranstaltungen zu besuchen (und dafür womöglich auch ernsthaft "Lektüre zu betrieben"***) und in einem völlig unbekannten Umfeld und Land auf Weihnachten zu warten - zumal die Winterzeit dort ja ein wenig früher anbrechen wird.
***Zufällig gestern las ich zwei Erfahrungsberichte aus Bergen von PoWis. Diese Zeilen stimmten mich, als bekennenden Vorlesungsmitschreiber aber Nicht-Leser, misstrauisch:
„Dazu muss man wissen, dass man in Norwegen anders getestet wird, als ich es aus Bremen kannte. Man wird praktisch nur auf die Kenntnis der Literatur geprüft, die Vorlesungen dienen an sich nur als Anleitung zum Lesen. Wer nach Norwegen geht, sollte lesefreudig sein, das Curriculum eines Kurses umfasst durchschnittlich 1300 Seiten. Das Konzept, eine Woche vor der Klausur mit dem Lernen anzufangen, haut also nicht hin, da das sorgfältig Lesen eines Textes inklusive Notizen ja doch immer etwas Zeit in Anspruch nimmt.“Yay! Das wird ein Fest. Bleiben Sie neugierig!

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