Dienstag, 4. März 2014

Wie es dazu kam...

Nun, als erstes sollte ich wohl mal erklären, wie ich eigentlich auf die Idee mit dem Auslandssemester kam. Seit dem Ende meiner Schulzeit hatte ich die Idee im Kopf, vielleicht mal für ein paar Monate ins Ausland zu gehen. Damals reiste manch einer unter dem Codewort "Work&Travel" durch die Weltgeschichte. Doch anstatt in die Ferne zu reisen, wurde ich im Freilichtmuseum viel mehr zum Zeitreisenden. Meine Zeit als FSJKler (K steht für Knechtschaft) möchte ich dabei nicht missen.

Als nun aber im Studium im Uni-Masterplan für den Bachelor auf einen möglichen Auslandsaufenthalt im fünften Semester hingewiesen wurde, wurde ich hellhörig. Schließlich trichterte uns im Seminar mit dem klangvollen Namen "Berufsbilder für Politologen - Absolventen berichten aus der Praxis" so mancher Gast ein, wie wichtig doch ein Auslandsaufenthalt während des Studiums sein kann. Nicht zuletzt auch um meine Englischkenntnisse zu verbessern, begann ich im vergangenen Dezember mit der Forschung zum Erasmus-Programm.

Weil es für die PoWis keine Partneruni in Großbritannien gibt, schwenkte ich schnell nach Skandinavien um. Letztlich disqualifizierten sich Aarhus, Kopenhagen, Helsinki und Östersund (in Mittelschweden) aufgrund ihrer Lage, Größe, Wohnmöglichkeiten und ihres Angebots an politikwissenschaftlichen Bachelor-Kursen. Bergen punktete schließlich nicht nur mit einem großen Kursangebot für Bachelorstudenten, sondern auch mit einer tollen Landschaft rund herum und einer "Housing-Guarantee" für Austauschstudenten. Das Risiko musste ja schließlich kalkulierbar bleiben und ein halbes Jahr im dunklen und kalten schwedischen Winter bei Webvorlesungen oder in überteuerten finnischen Wohnungen, durch dessen marode Fenster der Winterwind zieht, schienen mir dann doch nicht nur bedingt verlockend - frei nach dem Motto: "Bleiben Sie anspruchsvoll!"

Nachdem die Standortwahl gefallen war, musste ich ein Motivationsschreiben verfassen. Gar nicht mal so einfach, zumal ich kein Fan von massiver Selbstbeweihräucherung bin. Ich befragte schließlich das Internet und fand einige gute Tipps und sogar ein gutes Motivationsschreiben. Davon ließ ich mich inspirieren und plötzlich schrieb es sich fast wie von selbst - wenige Tage vor Bewerbungsschluss. Um noch etwas überzeugender zu wirken, hab ich dann mal etwas dicker aufgetragen und bezüglich meiner Zweit- und Drittwahl subtil in die Trickkiste gegriffen. Aber es war ja für den guten Zweck. Mein Erasmusprof. "Lothar" hat das sofort eingesehen und konnte gar nicht anders, als mich nach Bergen zu schicken. Nun ja, so leicht war es dann doch nicht, aber als ich meinen Englisch-B2-Nachweis nachreichte, bekam ich umgehend die Zusage.

Wer sich dafür interessiert, was ich da zusammengetextet habe und wie solch ein Motivationsschreiben aussehen kann, der werfe einen Blick auf die folgenden Zeilen. Achtet darauf, wie ich meine beiden Alternativen subtil abgewertet habe. ;)


Motivationsschreiben

Erstwunsch: Universitet i Bergen/Norwegen
Seitdem ich das Gymnasium beendet habe, bin ich begeistert von der Idee, für eine gewisse Zeit im Ausland zu leben. Ich bin ein offener und neugieriger Mensch und verspreche mir von diesem Austausch einen Einblick in eine andere Kultur und auch ein Verständnis von unterschiedlichsten Mentalitäten. Da die Universität Bergen sehr um einen internationalen Austausch bemüht ist, freue ich mich darauf, mit Einheimischen und Studierenden aus aller Welt zusammenzukommen und internationale Bekanntschaften machen zu dürfen.
Gleichzeitig ist es für meine berufliche Zukunft von großem Vorteil, bereits einmal über den Tellerrand geschaut zu haben. Da ich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als mögliches Berufsfeld in meinen Fokus gerückt habe, sind gerade in internationalen Unternehmen und Organisationen, Auslandserfahrungen gefragt.
Von großer Bedeutung ist in diesem Fall die Kommunikation auf Englisch. Ein Auslandssemester in Norwegen sehe ich daher als einzigartige Chance, meine Englischkenntnisse sowohl auf fachlichem Niveau, als auch in der alltäglichen Kommunikation zu verbessern. Erste Schritte habe ich dafür mit einem Englisch-Kurs für Politikwissenschaftler auf B2.1-Niveau gemacht. Zudem habe ich dieses Semester eigenständig im Tutorenprogramm auf Niveau B2.2 gearbeitet und am 8. Februar den UNICERT-Nachweis für das B2-Niveau abgelegt.
Mein Wunsch ausgerechnet nach Bergen zu gehen, kommt somit nicht von ungefähr. Dazu bin ich neugierig, eine neue Sprache zu lernen. Insbesondere denke ich, dass dies der Schlüssel sein wird, die norwegische Kultur und natürlich auch die Norweger selbst kennenzulernen und verstehen zu können. Es heißt, für Norweger sei es ein großes Vergnügen, mit guten Freunden den ganzen Tag Berge zu besteigen, ohne ein Wort zu verlieren. Doch auch den Norddeutschen wird eine gewisse Schweigsamkeit nachgesagt. Das sehe ich allerdings anders. Und schließlich habe ich in meinem Studium gelernt, jede Aussage stets kritisch zu hinterfragen. Es wäre mir deswegen ein großes Vergnügen, diese und andere Vorurteile bestätigt zu sehen oder aber auch verwerfen zu können.
Dass Wandern allerdings als Volkssport unter Norwegern gilt, wird wohl kaum jemand außer Frage stellen. Weil ich von Norwegens Landschaft ebenso fasziniert bin, würde ich es gerne den Norwegern gleich tun und bei gemeinsamen Wanderungen am Wochenende die Stadt Bergen von oben betrachten, welche von nicht weniger als sieben Bergen eingerahmt ist. Die Stadt spricht mich allerdings nicht nur wegen ihrer malerischen Lage und ihres ausgezeichneten Kulturangebots – etwa in Form von zahlreichen Museen und musikalischen Veranstaltungen – an, sondern weil sie mit ihren rund 270.000 Einwohnern noch vergleichsweise überschaubar daher kommt. Und letzten Endes bin ich sehr gespannt darauf, wie sich die Bewohner im Land der Trolle auf Weihnachten vorbereiten und welchen Traditionen sie anhängen – wie etwa dem traditionellen Lucia-Fest.
Allerdings steht ja neben der interkulturellen Begegnung auch vor allem mein Studium im Vordergrund. Mir ist es wichtig, dass ein Auslandssemester nicht gleichzeitig eine Verlängerung der Studienzeit bedeuten muss. Nachdem ich verschiedenste Partneruniversitäten in Skandinavien verglichen habe, konnte mich in erster Linie nur die Universität Bergen mit ihrem Kursangebot für Politikwissenschaftler begeistern. Zum einen bietet sie Kurse auf Bachelorniveau an, viel relevanter sind für mich jedoch die inhaltlichen Schwerpunkte. So habe ich dort etwa die Chance, am Modul „Scandinavian Politics and Government“ teilzunehmen, welches ich als sinnvolle und bereichernde Ergänzung zum BRD-Modul an der Universität Bremen sehe.
Nachdem ich hier bereits eine Menge über das politische System der Bundesrepublik Deutschland gelernt habe, bin ich höchst motiviert, meine Kenntnisse aus der Vergleichenden Politikwissenschaft über das „Skandinavische Modell“ zu vertiefen und mir einen umfassenden Überblick über diese stark wohlfahrtsstaatliche Ausrichtung zu verschaffen. Davon erhoffe ich mir nicht nur ein besseres Verständnis von der Politik Skandinaviens, sondern auch aus einer Außenperspektive heraus, unser politisches System betrachten zu können. Weitere Kurse für das Wintersemester sind zurzeit noch nicht einsehbar. Sollte aber auch der Kurs „Regions, Federalism, EU Integration“ angeboten werden, so bin ich gespannt darauf, wie mit diesem Thema außerhalb der Europäischen Union umgegangen wird.

Zweitwunsch: Mid Sweden University Östersund/Schweden
Hoch im Norden von Schweden, abseits des Trubels von Stockholm, liegt Östersund. Landschaftlich schön gelegen, bietet der dortige Campus der Mid Sweden Universität Kurse für Sozialwissenschaftler an. Leider sind bisher nur vier Masterkurse der Politikwissenschaften einsehbar, doch das Modul „Public Administration“ verspricht einen interessanten Überblick über die Staatsaufgaben zu vermitteln. Und schließlich wäre es sicherlich auch ein spannendes Abenteuer, mit den anderen Erasmus-Studenten im Winter bei Minusgraden auf dem dortigen Campingplatz zu leben.

Drittwunsch: Amsterdam/Niederlande
In weniger frostigen Gefilden liegt die Vrije Universität Amsterdam, die rein optisch den Charme der Universität Bremen versprüht. Ganz ähnlich groß scheint zudem die Kursauswahl im Bereich Europäische Union zu sein. Dabei wäre ich gespannt auf Europa-Diskurse in einem Land, in dem zurzeit die populistischen Anti-Europäischen Stimmen zunehmen. Gleichwohl übt die niederländische Metropole mitsamt ihren Grachten und der teils klassischen Architektur eine große Anziehungskraft auf mich aus.

Ich wäre überaus dankbar, wenn ich die großartige Möglichkeit erhalten würde, ein Semester meines Studiums an der „Universitetet i Bergen“ verbringen zu dürfen. Das brächte mich nicht nur persönlich weiter, sondern würde mir die konsequente Verfolgung meiner Interessen im Studium ermöglichen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen