Etwa diese Botschaft kam letzte Woche beim
Putzkongress in Küche Nummer drei auch bei meinen Mitbewohnern an. Der Däne
(Anm. d. Red.: Meine Pappenheimer auf dem Flur werden zu gegebener Zeit noch ausführlich
portraitiert) stellte fest, dass wir ja alles verantwortungsvolle Menschen
seien und das in Zukunft besser machen werden. Das hat Chao aus China dennoch
nicht davon abgehalten, am Dienstag seine übel riechende grüne Suppe auf den
Boden zu kleckern und antrocknen zu lassen. Erschwerend kam hinzu, dass ich letzte Woche meine „Vaskeuke“ [waske-üke] hatte, also meine Putzwoche und
dementsprechend etwa für Toilettenpapier und Seife sortge, den Müll rausbrachte
und die Geschirrtrockner entleerte. Folglich war es später meine Ehre, die Reste
mit dem ranzigsten Messer abzukratzen, dass ich in den muffigen Schubladen
finden konnte.
Aber es geht hier auch bergaufwärts, denn ich habe Küche und
Bad in sauberem Zustand „übergeben“ bekommen und zu meiner großen Freude
verfügt unser Staubsauger über einen neuen Filter und Beutel. Jetzt macht er
nicht nur solch einen Lärm, wie ein startendes 727-Triebwerk, er saugt auch so
fantastisch. Das Feudelwasser war dennoch erschreckend schwarz…der befürchtete
Ausschlag an den Händen ist aber ausgeblieben.
Das Wetter ist übrigens gerade recht wechselhaft und nass.
Ein guter Grund, das hiesige Kunstmuseum aufzusuchen, wo ich mit Nikola, die
ich aus der Mentor Week kenne, und einer Freundin von ihr am Donnerstag war, da
Studenten dann kostenlos hineinkommen. Das war wirklich ganz interessant, denn
neben internationalen Größen wie Picasso oder Munch, hingen dort auch Gemälde
des norwegischen Malers Dahl, der sein Handwerk durchaus beherrschte. In der
Ausstellung „Bergen Avantgarde“ war ich mir dessen nämlich nicht immer so
sicher. Wir stellten fest, dass wir wohl noch nicht so weit waren, um diese
Form der Kunst zu schätzen. Frei nach dem Motto: Ist das Kunst, oder kann das
weg? (Anm. d. Lek.: Das Bild unten ist nicht Bergen Avantgarde, fällt aber unter das gleiche Motto.)
Anstrengend aber schön war schließlich die Wanderung auf den
nächsten Berg, den Løvstakken. Ich bezweifele ja, dass wir den richtigen Weg
genommen haben, denn es ging teilweise ein mehr oder weniger ausgetrocknetes
Flussbett steil bergauf. Zum Teil musste man fast schon klettern und es war
wohl mit Abstand der „spannendste“ Pfad, den ich jemals gegangen bin (links von
mir ging es einfach mal steil abwärts). Die Aussicht war dennoch großartig! Man
sah die Innenstadt, die umliegende Landschaft samt Wasser, den Flughafen und:
den nahenden Regen.
Ach, am Kiekeberg hab ich gelernt, dass man immer Menschen im Bild haben soll. Nun ja, also gibts heute mal Menschen.
So strahlt man man nicht nur in Gorleben, sondern auch in Bergen, wenn man noch keine Ahnung vom Rückweg hat.
Während wir beim Aufstieg noch als Gruppe unterwegs waren,
löste sich diese Formation auf dem Rückweg schnell auf. Zusammen mit Karsten
(aus BRE) und Lucia, die in Brünn European Studies studiert, machte ich mich
auf den Rückweg. Meine Hoffnung, dass wir auf einen besseren Weg treffen
würden, verflüchtigte sich schnell. Dank meiner Wanderstiefel (die sind aber
auch wirklich großartig!) kam ich dennoch ganz gut durchs Gelände. Mal wars
matschig, mal der kahle Fels und viel zu selten einfach mal der normale
Waldboden. Mein leise Kritik an den örtlichen Gegebenheiten wurde mit einem „Du
Stadtkind“ quittiert. Aber optisch ist
das schon nett, wenn man zwischen moosbewachsenen Bäumen und an kleinen
Bachläufen entlang tapert. Dennoch werde ich die Anschaffung eines Paragliders
genauestens prüfen… Fünf Berge hab ich ja noch mindestens vor mir.
Nun beginnt aber auch hier für mich „der Ernst des Lebens“. Heute habe ich die erste Norwegischstunde, morgen geht’s mit der Vorlesung für „Scandinavian Government and Politics“ los. Hatte ich schon gesagt, dass ich da abartig viel zu lesen habe?! Und dann sind da ja noch diese Ausarbeitungen für Bremen, die einem wie Kaugummi von Kinositzen am Allerwertesten kleben. Mitleid bitte!
Zum Schluss möchte ich mich noch für Eure netten
Kommentare bedanken, über die ich mich sehr gefreut habe! Ich wünsche Euch
einen elastischen Wochenanfang – hier regnet es wieder. Ich glaube, mir wachsen
langsam Schwimmhäute.
In diesem Sinne: Petri Heil!






2 Kommentare:
Drei auf einen Streich!
Na, denn man to - Das Erlernen einer skandinavischen Sprache ist mit das effektivste, was ich in meinem Leben so gemacht habe, man lernt eine und versteht gleich drei! Norwegisch ist im Prinzip ja nur leicht zu verstehendes Dänisch und Schwedisch kann man als Nordeutscher sowieso... Skål!
Dedl
P.S. Und freu Dich - in Östersund hätte es bestimmt schon geschneit ;)
Armer, armer Kerl, was bist Du doch gestreßt. Tja, als Fluglotse hättest Du es wesentlicher entspannter. Beim Anblick des Bergener Flughafens, muß Dir doch warm ums Spotterherz geworden sein.
Für die fünf vor Dir liegenden Berge wünsche ich Dir gute Kondition und weiterhin Trittsicherheit.
Viele Grüße aus EDDH
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