Säufste, stirbste, säufste nich, stirbste och. Also säufste!
Diese Weisheit, wurde nicht nur in Hertas Eckkneipe beim sagenumwobenen
„Känguru Manifest“ vom Stapel gelassen, sondern könnte auch gut das Credo der
Norweger sein. Aber der Reihe nach! Am Sonntag machte ich mich nach Fantoft
auf, um mir mal das dortige Wohnheim anzusehen. Dann sind wir zur Stabkirche, nach Gamlehaugen und auf einen Berg.
Meine erste Wanderung mit meinen großartigen Stiefeln!!! Die habe ich aber auch
dringend gebraucht, denn die Wanderwege waren sehr natürlich belassen. Weil wir
da spontan hoch sind, haben wir uns natürlich auch gleich verlaufen und sind
auf einem weitaus niedrigeren Gipfel gelandet. Anstrengend war es dennoch,
zumal der Rückweg durchaus tricky war. Da ist so ein Bewegungslegastheniker wie
ich schwer beschäftigt, nicht aufs Antlitz zu fallen…
Kaum war ich wieder zurück, war unsere Küche geputzt und der
Boden gewischt. Es zeigte sich an jenem Abend, dass der Vater einer
Mitbewohnerin ein wenig saubergemacht hatte. Am nächsten Morgen setzte er zudem
noch das Bad unter Wasser - gegen Abend konnte man es wieder betreten. Aber ich
bin ihm dennoch sehr dankbar, weil er im wahrsten Sinne des Wortes tief ins Klo
gegriffen hat. Nun ist auch das angetrocknete Pulverwaschmittel weg, das auf
mirakulöse Weise an der Toilette klebte. Applaus!
Zudem ist mein Flur nun seit letzter Woche komplett. Das
macht einen Chinesen, einen Norweger, zwei Norwegerinnen, eine Schwedin, einen
Dänen und myself. Es ist also nicht mehr ganz so verlassen hier, aber mehr
Leute machen auch mehr Dreck. Ich bin deswegen auf den morgigen Putzkongress in
der Küche gespannt, zu dem Ida und ich förmlichst eingeladen haben. Mal sehen, ob das über „cheap
talk“ hinausgeht. Aber ich möchte mich auf dem morgendlichen Weg zur Dusche
nicht immer so zögerlich und vorsichtig bewegen müssen wie im Winter bei
Glatteis, nur um den ganzen Haaren auszuweichen. (Anm. d. Red.: Eine Psychologiestudentin aus Regensburg betritt ihr Badezimmer im ersten Stock nur mit Straßenschuhen und duscht jeden Tag im Fitnesscenter, wo die Duschen wohl recht sauber sein sollen. Es ist also nicht so, dass ich mich hier übermäßig anstellen würde. Solche "Saubuam", wie man in Bayern offensichtlich dazu sagt, gibt es wohl überall.)
Nun aber zur Mentor Week – oder Faderruken – wie es die
Norweger nennen. Ausgestattet mit einem neongelben Armband, auf welches jeder
All-Inclusive-Urlauber neidisch wäre, wurden wir für diese Woche in Gruppen eingeteilt.
Zusammen mit Ginger-Karsten aus Bremen, zwei Mädels aus Honkong (die dauernd am
kichern sind), zwei Mädels aus der Slovakei und einem Studenten aus Oldenburg
trafen wir auf eine deutlich größere Gruppe an Norwegern in einem kleinen
Stadtappartment zur Pre-Party – oder Vorspiel, wie die Norweger es nennen. Dort
wird dann gut aufgetankt, weil Alkohol in den Clubs und Pubs doch recht teuer
ist. Mit verschiedenen Trinkspielen
sollten wir dann in Stimmung gebracht werden und bei den Norwegerinnen hat es
auch ganz ausgezeichnet geklappt. Auch die Mentoren waren gut dabei, sodass
eine von ihnen damit begann, mir diverse Songs der Prinzen vorzusingen. Von
Küssen verboten, Gabi und Klaus zu Millionär und Alles nur geklaut, war sie
erstaunlich textsicher – und wenn nicht, konnte ich ganz hervorragend
aushelfen. Immerhin wurde ich damit in meiner Kindheit beschallt. Und in
Norwegen lernt man so etwas im Deutschunterricht… War auf jeden Fall höchst
amüsant. Vorallem sind die am nächsten Tag wieder topfit! Da kann unsereins nicht mehr mithalten. Man ist ja keine zwanzig mehr.
Am Ende sind die Norweger schließlich aber auch darauf
erpicht, nicht unbedingt uns, sondern die anderen Erstsemester kennen zu lernen,
die das Gleiche studieren und nicht nach einem halben Jahr wieder abhauen. Im
Gegensatz zu mir, fahren die dabei auch total auf Kennenlernspiele etc. ab. Es
war trotzdem ganz interessant und wir Austauschstudenten fühlten uns
schließlich so integriert und bespaßt, dass wir mal gleich Teile des Programms
haben sausen lassen und dafür lieber etwa bei Sonnenschein auf den Touri-Berg,
den Floyen, gegangen sind. Auf dem Rückweg kam ich dann passend so in meinem
Wohnheim an, dass ich das aufziehende Gewitter, den starken Regen und den Hagel
(der bei einem alten Saab die Alarmanlage auslöste) von drinnen bewundern
konnte. Es regnet hier übrigens häufiger - am Tag.
Nun könnte manch einer denken, dass das hier nach Urlaub klingt. Aber dieses ganze socialisen ist durchaus anstrengend. Außerdem gab es auch schon erste Infotreffen für einige Veranstaltungen. So musste ich mich etwa eines morgens um 8:30 (!!) in der Uni einfinden, um mir einen dreißigminütigen Vortrag über die Sprachkurse zu geben (dessen Inhalt auch gut in eine Mail gepasst hätte). Ein anderes Mal sollten wir zu einer Infoveranstaltung um zehn. Der Hörsaal war brechend voll und der Dozent plapperte fröhlich auf Norwegisch los. Immerhin hatte jemand nach fünf Minuten den Mut auf Englisch zu fragen, ob das hier eigentlich unsere Veranstaltung sei - was der Dozent mit einigem Erstaunen verneinte. Gut die Hälfte aller Studierenden verließ dann halb belustigt, halb enttäuscht den Hörsaal.
Es gibt aber auch Dinge, die finden einfach mal plangemäß statt und kosten einfach mal nix (anders als das versprochene Grillen in den Bergen), wie etwa der Filmabend. Dort wurde zu meiner großen Freude Forrest Gump gezeigt.
„My momma always said, Life was like
a box of chocolates. You never know what you're gonna get."
In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig!
PS: Mehr Bilder gibts im Ministerium: Kingsley's Ministry
In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig!
PS: Mehr Bilder gibts im Ministerium: Kingsley's Ministry









7 Kommentare:
Schön geschrieben! :)
Und n nettes Städtchen hast du dir da ausgesucht. Ich bin gestern erst in Lund angekommen, aber werde dann sicher auch bald mal anfangen loszuziehen ;)
LG Hannes
Sehr schön geschrieben, nur das Bayerisch hat mich bei Dir altem Hanseaten zutiefst schockiert!
Aber auch das beigefügte Bildwerk ist wirklich wunderschön, insbesondere das Bild mit dem Schiff, erinnert es mich doch leicht eine vorkriegliches Kiel.
Nur ein paar Photos des Zustands Deiner Unterkunft (vor und nach der Putzaktion) hätten den Bericht abgerundet, Katzenphotos und Essen (also, nicht die Stadt, das wäre ja kontraproduktiv) können ebenso nicht schaden.
Aber "das wird schon", insofern weiter so mit der schönen Arbeit! Top!
Mein Mitbewohner und ich sind begeistert von den schönen Bildern und den gut geschriebenen Texten! Man hat fast das Gefühl, man wäre dabei gewesen. Super, dass Du Dir diese wunderbaren Stiefel besorgt hast, damit Du sämtliche "Hürden" im Gelände nehmen kannst. Also, wir sind schon gespannt auf die nächsten Abenteuer aus dem Studentenleben in Bergen!
Oh Sören! :)
Du glaubst gar nicht, wie sehr ich jedes Mal lachen muss, wenn ich deine Zeilen lese :D Man kann sich richtig vorstellen wie du die Sachen sagen würdest! :) Einfach herrlich! Es heitert meinen langweiligen Büroalltag in England erheblich auf!
Bleib sauber und gesund! :)
Alles Liebe aus dem kalten und nassen England.
Julia
Moin Sören,
...schöne Bilder. Norwegen scheint sich zu lohnen auch, wenn man nebenbei noch studieren soll.
Den hol die man noch fuchtig
Hubert
Hei Sören, hvordan gar det ? Schön das es jetzt bei Euch sauber ist. So brauchst Du nicht befürchten, das Dir eines Tages die Müllbeutel selbstständig entgegen kommen. Wie gewohnt sehr schöne Fotos von Dir. Den häufigen Regen hat Hamburg zur Zeit gemeinsam mit Bergen. Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir und weiterhin viel Spaß beim erkunden von Bergen.
Ha det bra
Life is a journey - not a guided tour!
In diesem Sinne wünsche ich dir viele unbezahlbare Eindrücke und Erlebnisse und unvergessliche, schöne Treffen mit interessanten Menschen dieser Welt - was soll man auch sonst seinen Enkeln erzählen?
Danke für Deine tollen Texte und die super Bilder - Dein Blog ist gleich in meinen "Favoriten" gelandet.
Dedl
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